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Vom Wahrnehmen zum Handeln – von der Erkenntnis zur Entscheidung
Dynamische Urteilsbildung und Mediation
Die Referentin Gabriele Zimmermann lernte die Dynamische Urteilsbildung bei dem Begründer Dr. Alexander "Lex" Bos, einem niederländischen Soziologen und Organisationsentwickler. Urteile sind nach seiner Definition Beurteilungen, Erkenntnisse und Entscheidungen. Bos hatte sich in den 1960ern die Frage gestellt, was in Gruppen geschieht und zwei Strömungen zusammengeführt. In Gruppen sollen Probleme gelöst und Entscheidungen getroffen und menschliche Befindlichkeiten, die dabei auftreten, sollten berücksichtigt werden. Die Verbindung von der konsequenten Bearbeitung der Sachthemen mit der Gruppendynamik verbessert die Gruppenbeziehung, so Bos. Die Quelle der Dynamischen Urteilsbildung ist die Fragestellung. Es gibt keine Probleme mehr, sondern zwei Fragerichtungen. Die Philosophie als Kunst des Fragens ist eng verknüpft mit der Erkenntnistheorie.
Die Dynamische Urteilsbildung, so Zimmermann, führt zu fundierten Entscheidungen, indem man beide Seiten – Wollen und Handeln – berücksichtigt. Die eine Art von Fragen dient dem Verständnis, wir gucken in die Vergangenheit, was schon da war. Die Fragen nach den Fakten und wie es dazu gekommen ist, führt in einen Dialog von Wahrnehmen und Denken.
Die andere Form der Fragen zielt auf Veränderung, dient dem Blick in die Zukunft. Was will ich erreichen, was ist zu tun? Hier setzt das Wollen ein und um die formulierten Ziele zu erreichen, setzen wir unser Tun ein. "Wie ein Keim den Baum enthält, so enthält die Frage schon die Antwort", verdeutlichte Zimmermann die Sichtweise.
In der Mediation ist ein umfangreicher "Urteilsbildungsprozess" Voraussetzung für die gemeinsame Lösung, sodass die Dynamische Urteilsbildung eine Grundlage bilden kann. Beide Verfahren haben den "Frageweg" gemeinsam, der die fünf Grundfähigkeiten des Menschen, das Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Wollen und Handeln anspricht. Ebenso eignet sich die Methode zur Selbstreflexion der MediatorIn vor und nach der Mediation.
Eine Teilnehmerin erklärte sich zur Veranschaulichung bereit, ihren Frageweg vor der Gruppe von rund 25 TeilnehmerInnen zu gehen. Sie setzte sich auf einen Drehstuhl in die Mitte eines gedachten Quadrates, das in den Ecken von den Punkten "Fakten", "Ziele", "Wege und Mittel" und "Gedanken" umrahmt wurde. Die Problemschilderung wurde in einer Frage formuliert, zu der die TeilnehmerInnen aus dem Kreis Fragen stellen durften. Die zu beratende Person wandte sich der FragestellerIn zu und gab Antworten, nachdem sie für sich geprüft hatte, ob und was sie darauf antworten wolle. Damit wurde ein 360 Grad-Blick hervorgerufen und Bewegung auch im übertragenen Sinne eingeleitet. Nicht nur für die Teilnehmerin in der Mitte war dieser Prozess sehr bewegend.
In der Diskussion wurde mehrmals über den Begriff "Urteil" gesprochen, der in unserem Sprachgebrauch eher eine negative Konnotation hat. Doch durch die Veranschaulichung wurde klar, mit welcher Kraft und Tiefe die Dynamische Urteilsbildung zu einem Weg der inneren Freiheit werden kann.
Zur Person: Gabriele Zimmermann ist Leiterin der Beratungsfirma Trias. Sie ist Rechtsanwältin und Mediatorin und vermittelt außergerichtlich in Konflikten. Die Dynamische Urteilsbildung wendet sie bei der Mediation an, begleitet Einzelne, Paare und Gruppen in schwierigen Erkenntnis- und Entscheidungssituationen und gibt Kurse in Dynamischer Urteilsbildung.
Literatur:
Urteilsbildung – Der Weg zu innerer Freiheit.
Zu beziehen über: vertrieb@lautenbacher-gemeinschaften.de
Christine Oschmann
Öffentlichkeitsarbeit der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar
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