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Der Scheinriese und der Konflikt Christian Prior gestaltet den Ganztages-Workshop der Regionalgruppe
"Klar sieht, wer von ferne sieht, und nebelhaft, wer Anteil nimmt."
Diesen Ausspruch, der Lao-Tse zugeschrieben wird, hatte vielleicht der Referent Christian Prior im Kopf, als er sich als Scheinriesen zu Beginn des zwölften Workshops der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar vorstellte.
Im Konflikt haben wir das Bedürfnis wegzulaufen und der Klärungshelfer Prior hilft den Konfliktpartnern, aus dem Nebel herauszufinden, um sich wieder begegnen zu können. Haltung und Vorgehen der Klärungshilfe und das Doppeln, ein wichtiger Bestandteil in Klärungshilfe und Mediation, wurden vom Referenten in anschaulicher Form präsentiert und beim anschließenden Üben in Kleingruppen vertieft.
Die Klärungshilfe setzt in der Konfliktbearbeitung sehr stark auf die Erhellung der Gefühle und Bedürfnisse und stellt eine Liste mit zwei Arten von Gefühlen, den primären und den sekundären Gefühlen, zur Verfügung, die nicht mit der zweigeteilten Liste in der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg zu verwechseln ist, die zwischen echten und unechten Gefühlen unterscheidet. So sind die primären Gefühle wie "abgewiesen", "ausgeliefert" und "betrogen" die "Weh-Schicht" und besitzen deeskalierende Wirkung. Im Vergleich dazu sind die sekundären Gefühle wie "empört" und "wütend" eher eskalierend und zeigen die "Abwehrschicht". Prior betonte, dass die subjektive Wahrnehmung geäußert werden darf und negative vergangene Gefühle kein Tabu sind, sondern in der Klärungshilfe zu Klarheit und Wahrheit führen.
Der lebendige Vortrag wurde immer wieder mit Beispielen aus der eigenen Praxis als Klärungshelfer bereichert. So lehnt Prior Einzelgespräche im Vorfeld ab, da sie seiner Meinung nach drastifizieren und die Vertraulichkeit erschweren. "Man wird gebunden", so Prior. Zu Beginn der Sitzung fragt er die Klienten "Wie sind sie hier" und fragt nach den Bedingungen und Hindernissen, die berücksichtigt werden sollen. "Ich arbeite an den Beziehungsvorwürfen, denn sie liegen wie Wackersteine auf dem Herzen." Dabei ist ihm der Hinweis wichtig, dass "wir nicht die Menschen verändern, sondern die Beziehung untereinander."
Prior scheute auch nicht davor, auf verzwickte Situationen in der Klärungshilfe hinzuweisen. Wenn sich alles im Kreis dreht, alles unklar bleibt oder die Vorwürfe immer schlimmer werden, schlägt er den Konfliktpartnern vor, sich das Gespräch von außen anzuschauen, einen Schritt zurückzutreten und möglichst "ein Scheinriese" zu werden. Oder er würdigt in dieser Situation mit viel Wertschätzung die Dynamik und fragt danach, wie in Zukunft damit umgegangen werden soll. Sein Bild der Wunde am Arm weist auf den verletzten Zustand hin und wie sie jetzt aussieht und was die Konfliktparteien damit bewerkstelligen können, führt oft zur Wendung.
Doch das Mittel der Wahl ist für Prior die von Christoph Thomann entwickelte Technik des Doppelns. Mit der Frage "Darf ich mal neben Sie kommen, für Sie etwas sagen und Sie sagen mir dann, ob das so stimmt?" kniet der Klärungshelfer neben demjenigen und spricht dessen Gefühle aus. Wenn es nicht zutrifft, ergibt sich die Möglichkeit zu fragen "Wie stimmt es dann?" und der Dialog kann fortgesetzt werden. Für viele der rund 100 Teilnehmer war es überraschend, wie oft Prior diese Technik einsetzt, und dass nicht nur die ganz großen Gefühle oder nur die Sackgassen in einer Sitzung aufgebrochen werden, sondern bei jeder Gelegenheit und ganz oft
diese Nachfrage angewandt wird, sodass bald nur noch die Ankündigung ausreicht "Darf ich noch mal so wie eben?" Prior machte den Teilnehmern Mut, das Doppeln immer wieder einzusetzen, auszuprobieren und keine Bedenken zu haben, denn es könne nichts "schief gehen", da man immer durch die Frage "Wie ist es dann?" eine Weiterführung der Klärung erreiche.
Dieser spannende Workshop war der erste im Jahr 2010 und der erste, der von inmedio unter Leitung von Dr. Wilfried Kerntke und Bernd Fechler im Auftrag der Regionalgruppenleitung – Svea und Hans-Jürgen Rojahn – organisiert worden war. Die weiteren Gäste sind im April Erica Fox aus USA am Donnerstag, 22. April in Räumlichkeiten der IHK Frankfurt, und Gudrun Kramer und Dr. Wilfried Graf aus Wien werden am 22. September in der Sportschule in Frankfurt sein.
Christine Oschmann
Öffentlichkeitsarbeit der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar
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