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Thérapie Sociale – eine Einführung mit Charles Rojzman

„Thérapie social ist der Spiegel Deines Verhaltens in Deinem Leben“

Der französische Soziologe, Psychotherapeut und Begründer der Thérapie Sociale (TS) stellte sich als Überlebender des Holocaust vor. Dies war vielleicht schon Erklärung genug, um zu verstehen, mit welchem Ansatz Charles Rojzman (gespr. Roschmann) Konflikte im regionalen wie überregionalen Setting bearbeitet. Er hat keine Scheu, mit Polizisten, verfeindeten Völkergruppen oder gewaltbereiten Jugendlichen zu arbeiten. Darüber hinaus war zu erkennen, dass der psychotherapeutische Ansatz stärker als bei der Mediation allgemein üblich im Vordergrund steht.

Der erste Schritt ist für Rojzman die Vertrauensbildung. „Ich bin der gute Arzt, und wenn das die Menschen erkennen, sehen sie einen Nutzen darin, mit mir zu arbeiten.“ Der zweite gemeinsame Schritt im Prozess der TS ist die „Harmonisierung der Motivation“, gemeinsame Ziele werden formuliert. Die Regel, die Rojzman als Leiter des Prozesses aufstellt, ist das Verbleiben in der Gruppe jedes Einzelnen bis zum Ende des Prozesses, auch wenn sie dies nicht wollen. Gibt es einen Vorgesetzten, so muss er das Erscheinen anordnen. „Ich muss allen vermitteln, dass sie etwas gewinnen werden“, so der Referent. Der dritte Schritt ist die Möglichkeit, sich zu zeigen, wie jeder Einzelne ist, sich ohne Maske darzustellen, also über die eigenen Ängste reden zu können und von den Ängsten des anderen zu erfahren. Rojzmans These ist es, dass wir uns erst dann öffnen, wenn wir über unsere Schwierigkeiten und über unsere Fehler im Leben sprechen. In Kleingruppen wurde von den rund 35 Teilnehmenden ausprobiert, zu wem kann ich offen sprechen, wer ist mir sympathisch, zu wem fasse ich Vertrauen.

Als Beispiel aus der Praxis nannte Rojzman, dass es durchaus möglich ist, dass durch diese Übung ein Polizist und eine Jugendlicher aufeinander zu gehen, die sich auf der Straße geprügelt hätten. Sie entwickeln im Prozess ein Gefühl dafür, dass das Gegenüber ein Mensch ist und nicht der Stereotyp „böser Polizist“ oder „gewalttätiger Jugendlicher“.

Die nächste Übung sollte dazu führen, sich über die Gefühle zu den Personen in der Gruppe bewusst zu werden. Im Stillen sollten sich die Teilnehmenden jeweils drei Menschen aus der Gruppe auswählen, mit denen sie besprechen könnten, ob sie ihnen eher sympathisch oder unsympathisch sind. Für jeden sollte ein Adjektiv gefunden werden, das die Ausstrahlung dieses Menschen beschreibt. Dies soll dazu führen, dass innerhalb der Gruppe über die Grundbedürfnisse jedes Menschen gesprochen wird: Wertschätzung und Anerkennung, Schutz und Sicherheit und Liebe. Dadurch, dass in Gruppen die negativen Gefühle oft nicht ausgesprochen werden, um Konflikte zu vermeiden, ist es in hoch eskalierten Konflikten wichtig, über diese negativen Gefühle zu sprechen, so Rojzman. Das Ziel der TS sei es, die realen Gefahren von den imaginären Gefahren zu trennen. Die Angst, die ausgedrückt würde, sei nicht so gefährlich wie die unausgesprochene. Das Erkennen anderer Gründe im Austausch über die negativen Gefühle ist für Rojzman der Schlüssel zur Verständigung über die Angst voreinander. Niemand soll im Prozess Angst davor haben, Informationen preiszugeben. Die Gruppenmitglieder sollen sich nicht als Opfer betrachten oder zum Beispiel als rassistisch gebrandmarkt werden. „Hinter der rassistischen Aussage steckt mehr – es ist die Angst.“

Jugendliche wollen an einer Aussprache nicht teilnehmen, wenn von vornherein feststeht, dass sie die Schuldigen sind. „Ich überzeuge sie davon, dass sie etwas zu sagen haben und dass sie gehört werden“, so Rojzman. Die Fragen des vierten Schrittes „Was fehlt Dir bei mir? Was bereitet Dir Angst bei mir? und der Austausch darüber, helfen, die Opferhaltung aufzugeben und im fünften Schritt Verantwortung zu übernehmen. Der sechste Schritt in der TS ist der Austausch von „realen Informationen, die Zirkulation über die Wahrheit, die die Teilnehmenden kennen.“ Der vorletzte Schritt ist das Verständnis darüber, worum es geht – die kollektive Intelligenz. Zum Abschluss werden Aktionen beschlossen.

In einer Übung der TS sollen alle Antagonisten einer Gruppe benannt werden, die in mehrfachen Runden miteinander gemischt werden, um in Kontakt zu kommen. Ziel ist es, sich als Menschen und nicht als Tiere zu betrachten. Wir haben zwar Konflikte, doch es gibt keine Gewalt mehr, ist das Ergebnis dieses Dialogprozesses. „Es wird nur dann eine Veränderung des Verhaltens geben, wenn ich der Person Liebe, Sicherheit und Anerkennung gebe.“ TS gibt den Rahmen vor, in dem die Teilnehmenden ihre besten Seiten aufdecken können und nicht nur ein Teil der Wahrheit sichtbar wird. Der Trainer darf kein Mitleid haben, da er sich sonst überlegen zeigt und die Teilnehmenden als Opfer sieht und die Wertschätzung nicht ausgedrückt wird. Um die Rolle des Trainers gut ausfüllen zu können, fordert Rojzman von ihm, dass er seine eigenen „Schatten“ kennt, seine Ängste und Befürchtungen, nur dann kann er die Teilnehmenden „lieben“.

Eine ausführliche Diskussion wurde über den Gewaltbegriff geführt. Was ist Gewalt? „Man kann sehr ruhig sprechen und doch Gewalt ausüben, das hat mit der Vorstellung vom Anderen zu tun“, so der Referent. Für ihn sind Abwertungen, das Verlassen und die Gleichgültigkeit, Beschuldigungen und der Missbrauch einzelne Aspekte von Gewalt. „Immer dann, wenn der andere zum Objekt wird, übe ich Gewalt aus.“

Eine Gemeinsamkeit haben alle Menschen. In irgendeiner Form haben die Eltern Gewalt ausgeübt. Um das zu erkennen, sollte jeder für sich folgende Fragen beantworten:

Was haben meine Eltern gesagt oder getan,

… wenn ich als Kind großen Kummer hatte?

… wenn ich gute Ergebnisse in der Schule erzielt habe?

… wenn ich schlechte Noten in der Schule hatte?

… wenn ich gespielt habe statt meiner Aufgaben zu erledigen?

… wenn ich einen Konflikt mit einem Erwachsenen hatte?

… wenn ich einen Konflikt mit einem anderen Kind hatte?

… wenn ich etwas getan habe, was gegen ihre Werte war?

… wenn ich gegen ihre Autorität rebelliert habe?

Was sagten meine Eltern

… zu meiner Intelligenz?

… zu meinem Körper, meiner physischen Erscheinung?

… über meinen Charakter?

Diese Übung solle nicht dazu dienen, die Eltern zu beschuldigen, sondern mehr über die Konsequenzen für mein Leben zu erfahren. Es sei wichtig, zu erkennen, dass wir verletzt wurden und mit anderen zusammenarbeiten, die auch verletzt wurden.

Weiter Informationen: www.institut-charlesrojzman.com.

Christine Oschmann

Bilder von der Veranstaltung am 10.08.2011 finden Sie in der Bildergalerie.

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Auf dem Weg zu einer betrieblichen Konfliktkultur

22.03.11

Dynamische Urteilsbildung und Mediation

17.02.10

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20.01.10

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11.02.09

Ressourcenorientiertes Konfliktmanagement in Organisationen

04.12.08

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05.11.08

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28.05.08

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