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Echt, Echt,…Wirklich! – Der Realitätenkellner spricht
Wie ein Vortrag hypnotische Wirkung entwickelt
Kaum vorstellbar, dass man einem Referenten gerne und voller Konzentration einen ganzen Tag lang zuhören kann. Doch bei einem Redner wie Dr. Gunther Schmidt raunt es um einen herum aus dem Plenum, dass es bitte weitergehen möge und Gruppenarbeit heute unerwünscht sei.
Der Diplom-Volkswirt, Facharzt für psychotherapeutische Medizin, Leiter des Milton-Erickson-Instituts in Heidelberg und Gründer des Deutschen Bundesverbandes Coaching, war der Einladung der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar gefolgt. Das Thema seines Workshops im Februar 2009 war "Systemisches Konfliktmanagement für die konstruktive Nutzung der Kräfte im Konflikt-System".
Einem Tanz gleich wechselte Schmidt während des Vortrags in die verschiedenen Rollen: Es wurden geboten Systemiker, Berater, Betroffener und selbstironisch sich Beobachtender.
Systemisch heißt Wechselwirkung und nie ist xy, sondern die Situationsbedingungen sind entscheidend – von wem am meisten wird xy so beschrieben? Wann mehr, wann weniger? Für diese Kontextgebundenheit spricht auch die Tatsache, dass wir keineswegs sehen, was außen ist – im Sinne eines fotografierten Bildes; nur 17% der für das „Sehen“ verantwortlichen Zellen haben Außenkontakt. Was wir wahrnehmen, wird tatsächlich von Zellen digital hochgerechnet.
Für Schmidt ist entscheidend, dass die MediatorIn immer unterschiedsbildend fragen sollte. Nicht „Was ist die Ursache des Konflikts“, sondern die Wechselwirkungen des Problems sind wichtig. Entscheidend für den Prozess einer Veränderung ist die Fragestellung: „Was soll hier heraus kommen“ und „Wofür ist es dienlich, wohin soll es gehen.“ Auch "Wofür wollen Sie es klären bzw. nicht klären!"
Schmidt sprach über das Heimatsystem, das System des Kunden, in das wir als Berater wirken. Unsere Intervention wirkt schon, bevor wir persönlich aufgetaucht sind.
Der international anerkannte Vertreter der Hypnotherapie wies auf den Beweis der Hirnforschung hin, dass das Unwillkürliche immer schneller und stärker ist als das willentliche Entscheiden. Wie kann man unwillkürliche Prozesse beeinflussen? Kognitive und intuitive Prozesse müssen optimal ausbalanciert sein, um kongruent zu sein. Im Gehirn gibt es nur Gegenwart, keine Vergangenheit.
Der Hypnotherapeut schafft positive somatische Marker. Er bezieht das Körperwissen als Feedbackkompetenz ein. Sein Ziel ist es, so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf gewünschte Erlebnis-Muster lenken, dadurch werden diese reaktiviert. 
Jede Intervention wird vorher plausibel erläutert, damit sich der Klient nicht manipuliert fühlt und erkennt, dass er der Träger des Erfolgs ist. Diese völlige Transparenz benötigt viele Rückmeldeschleifen. Das Potenzial für eine andere Gestaltung ist im eigenen Erfahrungsrepertoire immer schon vorhanden! „Sie können nichts löschen – auch nicht die Bereitschaft, beim Konflikt in die andere Richtung zu gehen!“, so Schmidt. Er arbeitet mit seinen Klienten auch die Auswirkungen einer möglichen Veränderung, Lösung, Zielerreichung und nicht nur Potenziale für die eine Lösung heraus. „Was bringt einen dazu, seine Potenziale nicht zu nutzen?“ „Ich lasse die Problemtrance der Leute sich nicht entwickeln!“ Wir hypnotisieren uns selbst in ein Problem hinein und können uns auch selbst hinaus hypnotisieren. Der Hypnotherapeut hilft dabei, neue Muster anzubahnen.
Schmidt gab mit seiner spannenden Darstellung von Konflikten und "Zwickmühlenaufträgen" auch Einblick in seinen reichen beruflichen Erfahrungsschatz. Sein Fazit hieß: „Ich bin der Realitätenkellner und schon lange kein 'Berater' und 'Sinnstifter' mehr!“
Christine Oschmann
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